
Es ist wieder an der Zeit, sich Gedanken zu Ihrem Sommerurlaub zu machen. Wohin soll es dieses Jahr gehen? Falls Sie außerdem noch auf der Suche nach Lesestoff für den Strand oder Pool sind: Franziska aus dem Büroteam und Marietta, die Frau des Senior-Chefs, haben mal wieder für Sie in ihre Bücherregale geschaut. Dabei sind abwechslungsreiche Buchempfehlungen für Ihren Sommerurlaub 2026 herausgekommen.
Bocksbeutel-Verschwörung: Politische Intrigen in der Würzburger High Society
Gerade erst wurde die Kommissarin Ines Frank von München nach Würzburg „strafversetzt”, da wird sie schon in einen Fall verwickelt. Der Würzburger Professor Wulffen, ein bekannter Weinexperte, feiert im Hofkeller mit der Würzburger Prominenz ein rauschendes Geburtstagfest. Als plötzlich mehrere Gäste an Vergiftungserscheinungen leiden und einige sogar zusammenbrechen, ist die zum Streifendienst eingeteilte Kommissarin gleich zur Stelle. Doch für den Gastgeber kommt jede Hilfe zu spät: er stirbt.
Ines Frank übernimmt die Ermittlung und lässt sich dabei auch vom Widerstand ihres eigenen Chefs, des Polizeipräsidenten Windinger, nicht beirren. Ihr zur Seite steht Prof. Wulffens Mitarbeiter, Dr. David Assmut. Der entwickelt eine besondere KI, die ihnen bei den Ermittlungen helfen könnte. Können die beiden sich durch das Dickicht politischer Intrigen der Würzburger High Society schlagen und den Fall aufklären?
Wenn sie nicht gerade Romane verfasst, ist Susanne Beck, Autorin der „Bockbeutel-Verschwörung“, Professorin für Strafrecht und Rechtsphilosophie und beschäftigt sich unter anderem mit Themen wie Künstlicher Intelligenz. „Das merkt man dem Buch klar an, dass das von jemandem geschrieben wurde, der Ahnung hat,“ meint Marietta.
Der Schauplatz und die Wein-Thematik haben Marietta zugreifen lassen: „Als Fränkin, die gerne einen Schoppen fränkischen Silvaner trinkt, konnte ich mir diesen Krimi natürlich nicht entgehen lassen!“ sagt sie. „Ich habe in Würzburg meine Gymnasialzeit im Internat und dann meine Studienzeit verbracht. Deswegen liegt mir Würzburg natürlich sehr am Herzen.“
Aber der Lokalkolorit allein war es nicht, der Marietta begeistert hat. „Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen. Die Einblicke in die Ränkespiele an der Uni, aber auch das ungewöhnliche Gebaren innerhalb der Polizei haben mich total fasziniert. Und sogar die Winzer haben ihre Geheimnisse…“ Da kommt keine Langeweile auf.
Als wir unsterblich waren: Deutsche Geschichte, packend erzählt
9. November 1989: die innerdeutsche Grenze ist offen. Die junge Ostdeutsche Alex lernt im Tubel des Mauerfalls den westdeutschen Studenten Oliver kennen, die beiden verlieben sich unsterblich. Als Alex den jungen Mann wenige Tage später ihrer Großmutter vorstellen möchte, ist deren Reaktion mehr als unerwartet. Sie gerät bei Olivers Anblick außer sich und erleidet einen Infarkt. Im Krankenhaus öffnet sie sich zum ersten Mal ihrer Enkelin und erzählt Alex ihrer Lebensgeschichte.
1912: Paula träumt davon, studieren zu können. Sie möchte ihrem großen Vorbild Rosa Luxemburg nacheifern, und sich für Arbeiter- und Frauenrechte einsetzen. Doch es kommt anders: ihr Vater verliert seinen guten bezahlten Job als Journalist und kann Paulas Studium nicht finanzieren. Während sie als Schreibkraft bei einer Zeitung arbeitet, lernt Paula den besten Freund ihres Bruders, den Sozialisten und Klassenkämpfer Clemens kennen. Sie verliebt sich in den Spross einer wohlhabenden Familie und tritt wie Clemens und ihr Bruder auch der SPD bei. Der erste Weltkrieg und der Aufstieg der Nazis stellen die Freunde auf eine harte Probe…
Der packende Historienroman von Charlotte Roth hat Marietta mitgerissen: „Deutsche Zeitgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis zum Dritten Reich, und dann wieder nach dem Mauerfall – und das alles erzählt anhand der Lebensgeschichte von zwei starken Frauen. Ich fand das super!“ Besonders gefallen hat ihr, dass der Roman in Berlin spielt: „Das ist natürlich das perfekte Setting, um die Entwicklungen anschaulich und einprägsam nachzuzeichnen.“
Ganz leichte Kost ist der Roman allerdings nicht: „Die aufrechte und großherzige Paula kämpft für ihre große Liebe und ihre Überzeugungen, aber dem Lauf der Geschichte kann sie sich letztlich nicht entgegenstellen. Die Anti-Kriegs-Kräfte scheitern an ihrer Uneinigkeit und auch Paulas Liebesgeschichte nimmt kein Happy End…“ Mariettas Lesevergnügen hat die Tragik des Romans allerdings keinen Abbruch getan.
4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement.
4000 Wochen erscheint Ihnen wenig? Dabei kann sich jeder, dem so viel Zeit vergönnt ist, glücklich schätzen, denn immerhin entsprechen 4000 Wochen ganzen 80 Jahren. Ziemlich ernüchternd, oder? Dementsprechend versuchen wir unaufhörlich, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu schaffen. Wir stopfen unsere Kalender voll, hetzen von Termin zu Termin, probieren alle möglichen Tricks aus, um Zeit zu „sparen“ und laufen doch ständig der Zeit hinterher. So richtig glücklich sind wir dabei nicht…
Mit genau diesem Paradox befasst sich der Beststeller-Autor Oliver Burkeman in seinem Buch „4000 Wochen.“ Tiefgründig und zugleich kurzweilig erklärt er, warum all unsere Versuche, unsere Zeit zu „managen“ nach hinten los gehen und letztlich das Hamsterrad, in dem wir uns befinden, nur weiter befeuern. Gleichzeitig versucht Burkeman Wege aufzuzeigen, wie wir unser Verhältnis zur Zeit grundlegend ändern können.
Franziska hat das Buch die Augen geöffnet. „Ich bin schon ein bisschen nerdy, was mein Zeitmanagement angeht. Da war es für mich ein großer ‚aha‘-Moment, wenn Burkeman erklärt, warum es letztlich nie klappt, die Dinge vollständig im Griff zu haben.“ Ganz loslassen von der Idee des Zeitmanagements kann und will Franziska zwar nicht, „aber ich bin ein bisschen weniger streng mit mir,“ sagt sie. „Das Buch kriegt auf jeden Fall eine große Leseempfehlung von mir.
Acqua Alta: Dramatisch inszenierter Untergang Venedigs
Guido Malegatti erwacht schwer verletzt im Krankenhaus. Venedig wurde von einem Hochwasser, einem Acqua Alta, getroffen. Das milliardenschwere Sturmflutsperrwerk MO.S.E hat versagt, Venedig wurde von der Flutwelle völlig zerstört. Aus dem Krankenhaus entlassen, fährt Malegatti mit einem Boot durch die Ruinen, vorbei an eingestürzten Palazzi, auf der Suche nach seiner verschollenen Tochter…
Zwei Jahre zuvor: Angesichts des steigenden Meeresspiegels und der sich anbahnenden Bedrohung für Venedig gerät die Familie Malegatti in einen Konflikt. Vater Guido hat sich als Sohn armer Bauern selbständig zum erfolgreichen Bauunternehmer und einflussreichen Wirtschaftspolitiker hochgearbeitet. Er ist fest überzeugt, dass sich die Probleme Venedigs durch High-Tech lösen lassen, und unterstützt den Massentourismus, der das Geld dafür in die Kassen spülen soll.
Seine Frau Alba, Tochter venezianischer Aristokratie, schwelgt in der glanzvollen Vergangenheit der Serenissima und verschließt die Augen vor der Gegenwart. Tochter Léa radikalisiert sich während ihres Architekturstudiums und wird zu Umweltaktivistin, die sich gegen Kreuzfahrtschiffe, gegen Massentourismus, und schließlich auch gegen ihren Vater stellt…
Die Autorin Isabelle Autissier zeichnet ein realistisches und detailliert recherchiertes Untergangsszenario für Venedig, das unter die Haut geht. „Das Entsetzen entsteht für mich dadurch, dass Venedig, dieses Symbol jahrhundertealter Kultur, einfach weggespült wird,“ schildert Marietta.
Besonders gepackt hat sie, dass sich die Geschichte anhand des Vater-Tochter-Gegensatzes entspinnt: „Guido mit seinem Technik-Optimismus und seine Tochter Léa mit ihrem Umwelt-Aktivismus, die beiden stehen stellvertretend für gegensätzliche Positionen zur Situation Venedigs. Der Roman erzählt von der Machtlosigkeit menschlichen Handelns im Angesicht der Elemente und hat mich sehr nachdenklich gestimmt.“
War etwas für Sie dabei bei unseren Buchempfehlungen für Ihren Sommerurlaub 2026? Haben Sie Ihre Lektüre gefunden? Dann fehlt jetzt ja nur noch die Urlaubsbuchung 😊
